Praxis Klingmann
Psychologische Psychotherapie | Notfallpsychologie | Wissensvermittlung
Psychotherapeutische Praxis – Dipl.-Psych. Pascal Klingmann
Hinweis zur aktuellen Versorgungssituation & was man tun kann

Warum ein Aufnahmestopp besteht

Leider ist meine Warteliste aktuell vollständig ausgelastet, sodass ich derzeit keine neuen Patientinnen und Patienten aufnehmen kann.

Es geht jedoch um ein größeres Problem: Nicht nur meine Praxis läuft am Limit. Täglich erreichen mich Anfragen von verzweifelten Menschen, die an Depressionen, Traumata, ADHS/Autismusbedingten Nachteilen in der Gesellschaft und vielen weiteren Problemen leiden. Aber die Kapazitäten von kassenzugelassenen Praxen werden trotz der größeren Not durch die Krankenkassen aus Kostengründen gleich gehalten. Und jetzt sollen sie sogar schrittweise zurückgefahren werden! Auch Diagnostik-Berichte für Patient:innen, die bereits bei anderen Therapeut:innen in Behandlung sind, kann ich nicht mehr durchführen, da die Kassen entsprechende Leistungen zurückfordern könnten, da diejenigen Therapeut:innen für eine umfassende Diagnostik verantwortlich sind, bei denen die Patient:innen in Behandlung sind.
Also mit dem Problem, einen geeigneten Behandlungs/Diagnostik-Platz zu finden sind Sie nicht allein: In vielen Regionen ist die Nachfrage nach psychotherapeutischer Hilfe deutlich höher als die Zahl der zugelassenen Behandlungsplätze. Dies führt zu langen Wartezeiten und erschwert vielen Menschen den Zugang zu dringend benötigter Unterstützung.
Aber statt die Zahl der zugelassenen Praxen zu erhöhen, wurde die Vergütung für ambulante Psychotherapie kürzlich abgesenkt, um die Kosten für die Kassen um einige Millionen Euro zu senken, während die Kosten für Praxen in den letzten Jahren (Inflation, zusätzliche IT-Ausgaben, Lohnsteigerungen für Angestellte, Reinigungskosten, etc.) gestiegen sind. Diese Entwicklungen setzen wiederum Anpassungen der Praxen in Gang, die die Versorgungssituation zusätzlich belasten. Es geht also um ein strukturelles Problem in unserer Gesellschaft. Es geht darum, dass seit vielen Jahren absehbar ist, dass ein neoliberal entfesselter Kapitalismus Menschen und die Gesellschaft ausbeutet. Jetzt sind wir beim Gesundheitssystem angekommen und es wird bei denen gekürzt, die sich am wenigsten wehren können.

UPDATE zum 1.5.26: Mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz kommt es leider noch schlimmer: Es wurde nicht nur eine Honorarabsenkung beschlossen, sondern auch dass die Leistungen der Psychotherapeut:innen budgetiert werden. Damit soll die Menge der in Anspruch genommenen Therapiesitzungen gesteuert, d.h. begrenzt werden. Mit anderen Worten: Die Politik hat vor dem Problem, dass in unserem System immer mehr Menschen Therapie suchen, kapituliert. Es geht nicht mehr um die Frage: Wie können wir möglichst schnell helfen, damit alle, die therapeutische Hilfe brauchen auch Hilfe bekommen? Es geht nur noch um die Frage: Wie können wir Geld in der Psychotherapeutischen Versorgung sparen?
Dafür soll nicht nur die Zahl der Kassenzulassungen weit unter dem Bedarf gedeckelt bleiben, es werden auch die Zahlen der Stunden "einnahmeorientiert gesteuert". Also dürfen Therapeut:innen in Zukunft nicht einfach belieb viele Stunden anbieten, sondern werden über die Vergütungsbudgets gezwungen, nur so viel zu arbeiten, wie von den Kassen Geld in den Topf gegeben wird. Wenn sich hier nicht massiv Widerstand entwickelt, bedeutet das zusätzlich noch eine weitere Verknappung der Therapiestunden im Kassensystem.

Da übrigens auch die Ausbildung von neuen Psychotherapeut:innen über eine Begrenzung der finanzierbaren Weiterbildungsplätze massiv eingeschränkt wird, ist durch eine verminderte Zahl von neuen Kolleg:innen in der Zukunft auch die Versorgung von Privat-Patient:innen betroffen.

Man kann davon ausgehen, dass die psychotherapeutische Versorgung damit in den nächsten Jahren schleichend verschlechtert wird, wenn das Gesundheitsministerium hier nicht deutlichen Widerstand aus der Bevölkerung wahrnimmt.

Es laufen nun verschiedene Aktionen, um darauf aufmerksam zu machen und diese Verschlechterung des deutschen Gesundheitssystems zu stoppen. Denn der psychotherapeutische Sektor wird nicht der letzte bleiben, der aufgrund des massiven Geldmangels kaputtgespart wird.
Leider bindet auch diese politische Arbeit meine Zeit, so dass ich verschiedene Leistungen – wie die Kommunikation mit Menschen, die noch nicht bei mir in Therapie sind – zurückfahren muss. Die Warteliste für PatientInnen der Gesetzlichen Kassen ist leider schon voll, so dass ich in der Kassenpraxis Neuwied keine neuen PatientInnen mehr aufnehmen kann.

Viele Patientinnen und Patienten können ihre Situation in der Öffentlichkeit nicht gut sichtbar machen – sei es aus persönlichen Gründen oder aus Sorge vor Stigmatisierung. Politische Entscheidungen werden jedoch auch davon beeinflusst, wie deutlich Versorgungsprobleme wahrgenommen werden. Wir alle sind Gesellschaft. Und wenn wir zulassen, dass an unserer mentalen und körperlichen Gesundheit gespart wird, was kommt dann als nächstes?

Man muss nicht gleich in eine Partei eintreten - aber das wäre besser als Populist:innen das Feld zu überlassen, die wie Trump alles nur noch schlimmer machen - je mehr Menschen aktiv an der Demokratie nicht nur bei Wahlen sondern auch bei der Gestaltung von Wahlprogrammen teilnehmen, desto representativer wird sie.
Neben den politischen Parteien gibt es aber auch Verbände, Vereine und Nicht-Regierungsorganisationen, wo man sich einbringen und gemeinsam an einer Verbesserung der gesellschaftlichen Lebenssituation arbeiten kann. Ihre Erfahrungen (z.B. bei der Suche nach einem Therapieplatz) an gesundheitspolitische Entscheidungsträger weiterzugeben, etwa an Abgeordnete im Deutschen Bundestag, ist ein wichtiger Schritt, die wahre Versorgungssituation für die Politik sichtbar zu machen und langfristig zu verbessern. Dies ist selbstverständlich freiwillig. Aber je weniger Menschen resignieren und stattdessen aktiv werden, desto schwerer ist es für PolitikerInnen, an den Bedürfnissen der Menschen vorbei zu regieren.
Denn leider ist es so, dass die gegenwärtige Politik nur darauf schaut, wie gespart werden kann. Strukturelle Änderungen der Einnahmesituation werden kaum umgesetzt. Ansätze, die hier zu grundlegenden Änderungen führen würden, bauchen mehr Unterstützung aus der Bevölkerung.

Schon kurze persönliche Rückmeldungen an die zuständigen Stellen können dazu beitragen, dass die tatsächliche Versorgungssituation stärker wahrgenommen wird.

Hinweis: Informationen zu weiteren Therapieangeboten und zur Suche nach freien Plätzen finden Sie z. B. über die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigung (Tel. 116 117). Ich wünsche Ihnen, dass Sie zeitnah passende Unterstützung finden.
Alles Gute auf Ihrem weiteren Weg.

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